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Was Alleingeburt mit Feminismus und Selbstbestimmung zu tun hat

Hanna Bose - Examinierte Lehrkraft und zertifizierte Fachkraft für babyfreundliche Beikost von Hanna Bose - Examinierte Lehrkraft und zertifizierte Fachkraft für babyfreundliche Beikost
17. Mai 2019 - Aktualisiert am 3. Dezember 2024
in Geburt, Schwangerschaft
Lesedauer: 5 mins read
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Alleingeburt
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In Deutschland ist die Wahlfreiheit des Geburtsortes gesetzlich festgelegt (SGB V, §24f). Die meisten denken dabei an die Freiheit der Frau, zwischen verschiedenen Krankenhäusern, Geburtshäusern oder einer Hausgeburt zu entscheiden.

Doch in den letzten Jahren hört man immer wieder auch von einer ganz anderen, bewussten Entscheidung, die Frauen treffen: Einer selbstbestimmten Schwangerschaft und Geburt in Eigenregie: Die Alleingeburt.

Themen des Beitrags

  • Was ist eine Alleingeburt?
  • Alleingeburt aus psychologischer und medizinischer Sicht
    • Welche Vorteile hat eine Alleingeburt?
    • Ist eine Alleingeburt gefährlich?
  • Alleingeburt aus feministischer Sicht
    • Weibliche Kräfte als gefährlich unterdrückt
    • Die wahren Kräfte entfalten durch Gebärfähigkeit
    • Meine Erfahrungen als selbstbewusste Schwangere

Was ist eine Alleingeburt?

Alleingburt bedeutet, dass eine Schwangere sich bewusst dafür entscheidet, ihr Kind zu Hause, aber ohne die Unterstützung einer Hebamme oder sonstigen Fachperson zur Welt zu bringen.

Für viele hört sich das erst einmal nach einer rein medizinischen, ja vielleicht leichtsinnigen oder verantwortungslosen Entscheidung an. Doch beim genaueren Hinsehen geht es dabei neben der Wahl von Ort und Modus der Geburt auch um ein feministisches Thema: Eine Alleingeburt ist ein Ausdruck der weiblichen Urkräfte und des Rechts auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper.

Alleingeburt aus psychologischer und medizinischer Sicht

Welche Vorteile hat eine Alleingeburt?

Für Frauen geht es bei der Alleingeburt vor allem um Selbstbestimmung und die Freiheit von Interventionen durch andere. Dahinter steht häufig eine erste Geburtserfahrung, die genau davon geprägt war: Im Nachhinein vermutlich unbegründete medizinische Interventionen, die zu Komplikationen und Fremdbestimmung im Geburtserlebnis stehen. Am Ende vielleicht ein Kaiserschnitt wegen eines Geburtsstillstandes nach einer langen Prozedur aus künstlicher Geburtseinleitung, Wehentropf, Wehenhemmer usw.

Wenn man sich die Vorgänge im Körper einer Frau während der Geburt genauer ansieht, wird eines klar: Je entspannter und sicherer sich eine Frau fühlt, desto positiver wird die Geburt verlaufen. Jedes Lebewesen hat alle biologischen Informationen und Vorgänge, die es zur Geburt seiner Kinder braucht, in sich. Wehen, Öffnung des Muttermundes, Pressphase, alles läuft automatisch ab. In den allermeisten Fällen bedarf es dazu keinerlei Unterstützung oder Überwachung durch Mediziner.

Gesteuert werden die Vorgänge im Körper durch Hormone. Wie jedes hormonelle System kann dieses aber auch gestört werden. Wenn während der Geburt Stress oder Angst aufkommt, werden entsprechende Botenstoffe (Cortisol, Adrenalin) ausgesandt und der Geburtsverlauf wird gestoppt. Denn biologisch gesehen macht es keinen Sinn, in einer Gefahrensituation ein Kind zu gebären. Stattdessen benötigt man die Energie für Kampf oder Flucht.

Wenn eine Frau sich dagegen in völliger Ruhe und Geborgenheit ausschließlich auf die Geburt und sich selbst konzentrieren kann, hat sie die besten Voraussetzungen für eine schmerzarme, erfolgreiche Geburt. Die Frau kommt in eine Art Trance, einen Zustand, der nur nach innen gerichtet ist.

Auf dem Weg ins Krankenhaus oder Geburtshaus, bei jedem Gespräch mit Außenstehenden, bei jeder Untersuchung durch medizinisches Personal und jede Anweisung zur Hechelatmung, wird dieser positive Geburtszustand unterbrochen. Im schlimmsten Fall lassen die Wehen nach und der Kreislauf der Interventionen beginnt.

Viele Eingriffe und vor allem viele Kaiserschnitte, so die Theorie hinter der Alleingeburt, entstehen erst durch die Krankenhaus- oder Geburtshausatmosphäre, durch die fehlende Sicherheit und das fehlende Selbstbewusstsein der Frau.

Ist eine Alleingeburt gefährlich?

Selbstverständlich warnen Mediziner vor einer Geburt in Eigenregie. Sie weisen auf die häufigen Komplikationen hin, die sie ja täglich sehen. Bezüglich Alleingeburten gibt es keine wissenschaftlichen Studien. Kleinere, nicht repräsentative Erhebungen weisen jedoch darauf hin, dass die Sterblichkeitsrate von Säuglingen bei einer Alleingeburt nicht höher ist, als bei einer Klinikgeburt. Die Interventions- und natürlich die Kaiserschnittraten dagegen seien im klinischen Umfeld um ein Vielfaches höher.

Tatsächlich gibt es ein gewisses Restrisiko, dass dem Kind oder der Mutter bei einer Geburt zu Hause etwas zustößt. In den allermeisten Fällen aber bleibt genug Zeit, um doch noch ins Krankenhaus zu fahren, wenn Komplikationen auftauchen.

Um solche zu erkennen, braucht es allerdings auch viel Wissen und Körpergefühl.

Zwei Notfälle gibt es, bei denen die Zeit für eine Fahrt ins Krankenhaus nicht ausreicht:

  1. Hoher Blutverlust nach der Geburt.
  2. Sauerstoffmangel beim Baby während der Geburt.

Alleingeburt aus feministischer Sicht

So viel zu den Vorgängen während der Geburt an sich. Historisch lässt sich die Alleingeburt als selbstbestimmte Geburt aber auch in einem ganz anderen Kontext sehen.

Weibliche Kräfte als gefährlich unterdrückt

Seit vielen hundert Jahren werden in unseren Kulturen Frauen unterdrückt und ihnen ihre ureigenen Kräfte abgesprochen. Nach und nach wurden sie zum „schwachen Geschlecht“, zu Hausfrauen, Küchenkräften, Putzfrauen. In den christlichen und islamischen Weltreligionen sind Frauen weniger wert als Männer. Haben weniger Rechte, dürfen keine Geistlichen werden. Weibliche Sexualität wurde nach und nach genauso stigmatisiert wie weibliche Stärke.

Frauen, die trotzdem stark waren, selbständig und selbstbewusst, wurden ausgestoßen, geächtet oder als Hexe verbrannt.

Die wahren Kräfte entfalten durch Gebärfähigkeit

Dabei sind Frauen für den Erhalt der Menschheit unverzichtbar. Sie sind es, die alle Kinder, ob männlich oder weiblich, austragen, gebären und nähren. Dahinter steckt eine weibliche Schöpferkraft, eine Urkraft, die sich nur schwerlich leugnen lässt. Frauen bringen seit jeher Kinder zur Welt – ohne medizinische Überwachung, ohne detaillierte Anweisungen, auf dem Rücken liegend zu pressen, ohne Medikamente.

Als mein Mann während der Geburt meines ersten Kindes Zeuge dieser weiblichen Kraft wurde, war er zutiefst beeindruckt. Und das, obwohl die Geburt im Krankenhaus, unter starken Schmerzen und mit viel medizinischem Personal stattfand. Damals unterlag ich demselben Trugschluss wie viele Frauen. Ich glaubte nicht daran, dass alles, was ich zur natürlichen Geburt meines Sohnes brauchte, in mir steckte. Dass ich die Expertin für alle Vorgänge in diesen Stunden war. Dass es mein Recht war, zu gewissen Eingriffen Nein zu sagen und mein Bedürfnis, einfach in Ruhe gelassen zu werden, richtig war. Berechtigt war.

Meine Erfahrungen als selbstbewusste Schwangere

In den vergangenen Jahren bin ich als Mensch und Frau gewachsen. Obwohl meine zweite Schwangerschaft nicht so unauffällig verläuft, wie die erste, bin ich selbstbewusster. Vertraue auf meinen Körper und meine Intuition. Ich habe mehrfach Eingriffe und Medikamente im Krankenhaus abgelehnt, weil ich spürte, dass sie unnötig waren und vielleicht weitere Komplikationen zur Folge gehabt hätten.

Jedes Mal, wenn ich als Schwangere selbstbewusst und auf meinen Körper und seine Kräfte vertrauend vor einem Arzt oder einer Ärztin sitze, kann ich spüren, wie es diese verunsichert. Sie sind irritiert, dass ich sowohl faktisch als auch emotional genau weiß, was in meinem Körper vorgeht. Ob Übungswehen muttermundswirksam oder harmlos sind. Ob eine Blutung für mein Kind gefährlich ist. Solange ich besorgt und kleinlaut erscheine, scheint alles „normal“ zu verlaufen bei den Untersuchungen. Sobald ich aber sage, dass ich mir trotz einer Blutung oder trotz Übungswehen keine Sorgen mache, kommen teils recht aggressive Versuche der Verunsicherung von ärztlicher Seite zurück. Man hätte das Gefühl, ich wüsste nicht, worum es geht. Ich solle nicht zu entspannt sein. Man könne mir nur helfen, wenn ich schnell ins Krankenhaus komme im Ernstfall. Denn innerhalb von 30 Minuten wären mein Baby und ich verblutet.

Für mich sind das gefühlt unterbewusste Versuche, das bestehende System nicht bröckeln zu lassen. Nicht zuzulassen, dass Frauen sich davon frei machen, ein schwacher Organismus und potentieller medizinischer Notfall zu sein, weil sie schwanger sind. Nicht zuzulassen, dass eine Frau sich erhebt und selbst aufgrund verschiedener Fakten und Informationen entscheidet. Und am Ende vielleicht sogar ihr Kind eigenbestimmt und kraftvoll in diese Welt begleitet. Als Alleingeburt.

Ich habe Berichte von Frauen gelesen, die diese Erfahrung, dass sie und nur sie alleine zu so einem Schöpferakt fähig sind, für immer verändert hat. Ihr ganzes Leben, ihre Sicht auf das Leben und sich selbst. Und vor allem ihr Bild von sich selbst als Frau.


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Alleingeburt

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Hanna Bose ist examinierte Lehrkraft für die Schulform Gymnasium und zertifizierte Fachkraft für babyfreundliche Beikost. Neben Mutterinstinkte.de betreibt sie als Expertin für Baby-Ernährung außerdem noch das Infoportal Babyled-weaning.de. Hanna ist Mutter von drei Jungs (2015, 2019, 2022) und teilt ihre langjährige Expertise mit einer guten Portion Erfahrungswissen. Die veröffentlichten Artikel von Hanna orientieren sich stets am aktuellen Stand der Wissenschaft und sind gepaart mit einer kindgerechten, bedürfnisorientierten Sichtweise.

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